Phnom Penh und die Geschichte von Kambodscha

Während unserem Besuch in Siem Reap, genauer gesagt Angkor Wat hatten wir ja bereits die Gelegenheit in deinen Teil der Geschichte von Kambodscha einzutauchen.

 

Unser nächstes Ziel hieß Phnom Penh, die Hauptstadt von Kambodscha und das war für uns der beste Ort, sich noch einmal genauer mit der Geschichte des Landes auseinander zu setzen.

 

Mal wieder … Anfahrt mit Hindernissen

Der Weg nach Phnom Penh war gar nicht so einfach. Mit der Fähre sind wir schon 9:30 am Morgen von Koh Rong nach Sihanoukville übergesetzt um dann um 13:30 mit dem Bus die 3 Stunden nach Phnom Penh zu fahren. So weit lief alles nach Plan. Pünktlich 13:30 startete unser Bus in Richtung Hauptstadt.

 

Nach gut 30 Minuten hielten wir dann das erste Mal und die beiden Fahrer checkten den Bus. Danach ging es weiter. 30 Minuten später, das gleiche Spiel und ein Alarm Ton im Bus…

 

Aber nach einem kurzen Check fuhren wir auch dieses Mal weiter. Und dann, alle guten Dinge sind drei, der nächste Stopp kurz darauf und wieder checkten die Beiden den Bus. Der Fahrer erklärte uns dann, dass sie ein Problem mit dem Kühlwasser haben und der Bus immer zu heiß läuft.

 

Naja, das war dann auch der Moment, wo der Bus entschied, nicht mehr zu starten. Da standen wir also mitten auf der Autobahn nach Phnom Penh, unter einer Brücke, die über die Autobahn gebaut wurde, aber nirgends hinführte und einem Gewitter, das gerade vor uns aufzog. 

 

Der Bus war gestorben, wir sind das ja schon etwas gewohnt und können über so etwas nun inzwischen lachen. Das war für uns nun das 6te öffentliche Verkehrsmittel, das unter unserem Hintern aufgab. Ob Taxi, Mietwagen, Collectivo, Boot oder nun auch Bus. Irgendwie haben wir da ein gewisses Talent und wir fragen uns, ob sich wohl auch noch ein Zug oder Flugzeug in diese Auflistung einreihen will…

 

Es schüttete wie aus Kübeln und die Fahrer konnten nichts anderes machen, als einen Ersatzbus aus Phnom Penh zu bestellen. Der musste die 1,5 Stunden zu uns fahren, um uns dann die 1,5 Stunden zurück nach Phnom Penh zu bringen.

 

So verbrachten wir eine zeitlang auf der Autobahn und warteten mit unseren Fahrern, dem kaputten Bus und der inzwischen angekommenen Straßenwacht auf unseren Ersatzbus.

Als der kam, wurde er gefeiert, wie ein Held und für uns ging die Fahrt endlich weiter.

 

Mit ein wenig Verspätung kamen wir schließlich wohlbehalten in Phnom Penh an.

Das heutige Phnom Penh

Phnom Penh ist eine 2 Millionen Stadt und liegt am Zusammenfluss der Flüsse Mekong und Tonle Sap. Die Stadt ist im Vergleich modern und bietet einiges an Sehenswürdigkeiten.

 

Wir hatten nur 2 Tage Zeit also haben wir den Touri Modus eingeschaltet. Bei wieder einmal fast 40 Grad war das teilweise wirklich anstrengend, wir haben am Ende dann auch tatsächlich weniger gemacht als geplant, dafür es gab viele Zwischenstopps, um bei ein paar kalten Tees wieder abzukühlen.

 

Das Nationalmuseum und der Königspalast

Am ersten Tag haben wir das Nationalmuseum besucht. Das ist ein kunsthistorisches Museum und zeigt zahlreiche Ausstellungsstücke aus der Angkor und der Hochzeit der Khmerkultur. Angkor, das aus über 1000 Tempel besteht und damals zahlreichen Menschen eine Heimat war, war die Hauptstadt des Khmerreiches. Erbaut vom 9ten Jahrhundert bestand es bis ins 14te Jahrhundert. 

 

Das Reich der Khmer reichte damals von Laos bis hinunter nach Malaysia und war eine bedeutende Großmacht seiner Zeit. Der Niedergang bahnte sich ab dem 12ten Jahrhundert an. Man orientierte sich weg vom Hinduismus hin zum Buddhismus und die Könige von Angkor verloren damit ihren gottgleichen Status, wodurch ihre Macht langsam zu wanken begann. Einige Dürrekatastrophen und der Einfall des Königreiches Ayutthaya brachten Angkor schließlich zu Fall und die Tempel und Städte verschwanden langsam, aber sicher im Dschungel.

 

Viel ist aus dieser Zeit tatsächlich nicht bekannt, die meisten Abbildungen und Statuen sind von religiöser Bedeutung. Im Nationalmuseum kann man sich die prachtvollen Statuen anschauen und wir bekamen einen besseren Eindruck davon, wie Angkor wohl einst ausgesehen haben muss. Aber über die Geschichte lernt man dort nicht so viel.

 

Nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf sind wir dann am Abend an der Fluss Promenade entlangspaziert und haben die Stadt einfach auf uns wirken lassen. Abends, wenn das Wetter etwas abkühlt, füllen sich die Straßen und das Leben geht so richtig los. Überall sind Menschen, es gibt zahlreche Märkte und Straßenlokale, Musik und Bootsfahrten oder einfach nur Spazierende. Eine richtig schöne Atmosphäre.

 

Am zweiten Tag haben wir uns den Königspalast und die Silberpagode angeschaut. Die Anlage steht mitten in der Stadt, direkt am Fluss und beherbergt viele schöne Gebäude und die Stupas der königlichen Familie. 

 

Der Königspalast ist nicht nur die Heimat des Königs von Kambodscha, sondern auch die wichtigste Sehenswürdigkeit in Phnom Penh. Die Gebäude der Königsfamilie sind für die Öffentlichkeit gesperrt aber der Thronsaal oder die Silberpagode sind für die Öffentlichkeit geöffnet.

 

Die Anlage stammt aus 1863, nachdem die Könige zum französischen Protektorat wurden und damit unter dem Schutz Frankreichs standen. Dadurch begann eine relativ stabile Phase für das heutige Kambodscha, das in den 500 Jahren zuvor fast durchgängig Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen mit Siam, Champa und Vietnam war. 

 

1865 wurde der Königspalast fertiggestellt. Viele der Gebäude auf der Anlage sind aber nicht so alt. Jeder König ließ den Palast ein wenig verändern und die späteren Kriege in Kambodscha führten zu wiederholter Zerstörung. Die Gebäude, die wir heute sehen, stammen daher fast alle aus jüngerer Zeit.

 

Gerade der Thronsaal und auch die Buddhastatuen aus Gold, Edelsteinen und Smaragd sind 

wahnsinnig beeindruckend und unbedingt sehenswert.

 

Der kambodschanische Genozid – Die Roten Khmer

Ein weiterer Teil der Geschichte Kambodschas ist die Zeit und die Herrschaft der Roten Khmer, die Kambodscha bis heute tief geprägt hat. Für die meisten Reisenden ist es wohl neben Angkor Wat der bekannteste Teil der Geschichte und oft auch das, woran man bei Kambodscha als Zweites denkt.

 

Die Roten Khmer gingen aus der kommunistischen Partei Kambodschas hervor und sie bildeten bereits in den 60er Jahren eine Guerillabewegung. Unter der Führung von Pol Pot konnten sie 1975 die politische Macht in Kambodscha übernehmen und behielten sie bis 1979. In dieser Zeit beging das Regime der Roten Khmer ungeheure Grausamkeiten, durch die ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung und auch viele Ausländer zu Tode kamen. 

 

Die Roten Khmer hatten die Vision den Agrarkommunismus in einer sehr reinen Form zu etablieren und so jegliche Klassengesellschaft zu überwinden. Sie ließen alle Städte räumen, zwangen die Menschen in Gewaltmärschen zur Übersiedelung auf das Land. Geld wurde abgeschafft. Religionen und auch Bücher jeglicher Art waren verboten. Die Menschen sollten jede Individualität ablegen. 

 

Auf dem Land musste die Bevölkerung Zwangsarbeit leisten, um die landwirtschaftlichen Ziele der Führung zu erfüllen. Die Nutzung von Maschinen war verboten, gearbeitet wurde 10 Stunden und länger. Als die Ziele nicht erreicht wurden kam es zu einer Hungersnot.

 

Die Roten Khmer lehnten Bildung ab, was bedeutete das nahezu jede Art von Bildung ausreichte, um ein Todesurteil zu erhalten. Die Roten Khmer töteten Juristen, Intellektuelle, Ärzte, Ingenieure. Im Grunde reichte es aus, dass man lesen und schreiben kann.

 

Für die Kontrolle der Menschen nutzen die Machthaber eine zu den größten Teilen aus Kindern bestehende Armee, die gezielt entmenschlicht wurde. Nach außen schotteten die Roten Khmer das Land ab.

 

Der Genozid an der eigenen Bevölkerung ging bis 1979, es wurden über 2 Millionen Kambodschaner getötet. Zu Ende ging er durch Übergriffe auf vietnamesische Siedlungen im Grenzgebiet zwischen Vietnam und Kambodscha, bei denen ganze Dörfer von den Roten Khmer ausgelöscht wurden. Das führte zum Einmarsch der vietnamesischen Armee, die Kambodscha innerhalb von Tagen nahezu komplett besetzten. Das führte zum Ende der Terrorherrschaft, führte im Anschluss aber zu einem fast 20 Jahre andauernden Bürgerkriegssituation, die das Land bis heute geprägt hat.

 

Aus heutiger Sicht sind die Ziele der Roten Khmer ein völliger Wahnsinn, der von durchaus gebildeten Menschen, die in Frankreich studiert hatten, geplant und befehligt wurden. 

Wir können nicht verstehen oder nachvollziehen, wie man denken konnte, dass so ein Land bestehen könnte. Die Roten Khmer brachten Kambodscha zurück in die Steinzeit und raubten dem Land über Jahrzehnte jede Chance auf eine Zukunft. 

 

In Phnom Penh steht stellvertretend für das Töten im ganzen Land, das Toul Sleng Genozid Museum. Diese ehemalige Schule wurde 1975 zu einem Gefängnis umgewandelt. Allein hier wurden 18000 Menschen inhaftiert, gefoltert und schlussendlich hingerichtet. Es überlebten nur 12 Menschen die Grausamkeiten dieser Einrichtung. 

 

Die meisten Hinrichtungen fanden auf den sogenannten Killing Fields statt, die vor der Stadt liegen. Inzwischen weiß man von 192 solcher Einrichtungen, die über das ganze Land verteilt waren.

 

Das Toul Sleng Gefängnis, das auch S21 genannt wurde, ist heute ein Museum, das die Gräueltaten aufgearbeitet und diese mit vielen Fotografien am Originalschauplätzen heute als Mahnmal zeigt. 

 

Wir sind 2 Stunden mit dem Audioguide auf dem Gelände gewesen. Das, was wir gesehen und gehört haben, ist nur schwer in Worte zu fassen und es ist immer wieder einfach nur unbegreiflich, wie wir Menschen so etwas anderen Menschen antuen können. Der Besuch des Tuol Sleng Museums war und ist sehr wichtig, wenn man in Kambodscha ist. 

 

Kambodscha hat so viele Jahre in Bürgerkriegen und Terror verbracht, dass es unvorstellbar ist, dass die Städte heute so aussehen und die Menschen einem immer ein Lächeln schenken. 

 

Kambodscha ist ein sehr junges Land und verarbeitet immer noch seine Geschichte, während es wächst und immer moderner wird. Im Moment ist es der am schnellsten wachsende Wirtschaftsraum in Asien. In 5 bis 10 Jahren werden wir das Land wohl kaum wieder erkennen. Alles ist im Wandel und Aufschwung.

 

Kambodscha hat eine unglaublich traurige und brutale Geschichte. Daneben ist es aber so viel mehr als nur Angkor oder die roten Khmer und wir sind froh, dass wir das Land bereisen durften und dazu lernen durften.

 

Grüße, Katja


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